Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt

Schleuse Zerben

Im Zuge des Ausbaus der Wasserstraßenverbindung Hannover- Magdeburg- Berlin soll der Elbe- Havel- Kanal (EHK) entsprechend der Wasserstraßenklasse V b ausgebaut werden. Das Ziel der Ausbaumaßnahme ist die Ermöglichung eines uneingeschränkten Begegnungsverkehrs für Großmotorschiffe (GMS) mit 110 m Länge, sowie für 185 m lange Schubverbände (SV) mit zwei Leichtern.

Schleuse Zerben Schleuse Zerben Schleuse Zerben im November 2018 Quelle: Wasserstraßen-Neubauamt Magdeburg

Diese Bemessungsschiffe haben eine Breite von 11,45 m und eine Abladetiefe von 2,80 m. Bei einer Abladetiefe dieser Schiffseinheiten von 2,80 m, muss die Wassertiefe min. 4,0 m betragen. D.h. die Drempelhöhe der alten Schleuse mit 3,15 m am OH bzw. 2,95 m am UH sind nicht ausreichend. Der Umbau und die Sanierung der alten Schleuse würde einem Neubau entsprechen. Die damit verbundene Vollsperrung des EHK würde den Schiffsverkehr auf der Ost-West-Relation über mehrere Jahre zum erliegen bringen. Mit dem Bau einer neuen Schleuse kann der Schiffsverkehr aufrecht erhalten werden.Die Planung des Neubaues der 2. Zerbener Schleuse  PFA 4 erfolgte im Abschnitt von EHK-km 344,35 bis EHK-km 346,30.

Zu dem Projekt gehörte der Neubau:

  • der zweiten Schleusenkammer einschließlich Ober- und Unterhaupt
  • der Vorhäfen
  • der Wehren am Zerbener Altarm
  • der zur Ortsverbindungsstraße Zerben-Güsen gehörenden 3 Brücken, u.a. die Brücken über den Zerbener Altarm und den Schleusenvorhäfen

Der Schleusenneubau

Die 2. Zerbener Schleuse wurde mit einem Achsabstand von 45 m südlich zur vorhandenen Schleusenkammer gebaut. Sie hat eine nutzbare Kammerlänge von 190 m und eine Breite von 12,50 m. Die Schleuse hat eine hat eine maximale Fallhöhe von 5,50 m. Ein Multiport-System mit 276 Fülldüsen, ermöglicht eine turbulenzarme Befüllung der Schleusenkammer. Die Füllgeschwindigkeit beträgt etwa 1,0 m/min.
Die Schleusentore am Ober- und Unterhaupt wurden als Stemmtore in Faltwerkbauweise ausgebildet. Der Antrieb der Tore und der Längskanalverschlüsse erfolgt mittels Elektrohubzylindern.
Im Bereich der Vorhäfen wurden für die in Wartestellung befindliche Berufs- und Sportschifffahrt ausreichende Liegemöglichkeiten angeordnet.
Für die Regulierung des Zu- bzw. Abfluss des Zerbener Altarmes wurden Ersatzneubauten für die beiden bestehenden Wehre erforderlich. Diese wurden bis zur ihrer Inbetriebnahme im Oktober 2014 errichtet. Sie erhielten als Wehrverschluss Fischbauchklappen. Der einseitige Antrieb der Fischbauchklappen erfolgt ebenfalls mit Elektrohubzylindern.
Die Brücken der Ortsverbindungsstraße Zerben - Güsen haben eine lichte Weite von 24,0 m bzw. 26,0 m über den Einfahrtslamellen im Unterwasser und über den Zerbener Altarm eine lichte Weite von 7,0 m. Die Fahrbahnbreite beträgt 6,0 m zuzüglich eines separaten Geh- und Radweges. Nach der Bekanntgabe des Planfeststellungsbeschlusses wurde am 26.11.2009 die Ausschreibung Straßenbrückenanlage Schleusenbrücke Zerben veröffentlicht. Am 24.03.2010 wurde der Bauvertrag „Straßenbrückenanlage Schleusenbrücke" Zerben vergeben. Am 30. Nov. 2011 fand nach der verzögerungsfreien Bauausführung die Verkehrsfreigabe des neuen Brückenzugs in Zerben statt.
Am 02. Mai 2012 wurde das Vergabeverfahren mit der Bekanntmachung für den Neubau der 2. Schleuse Zerben eröffnet.
Im Oktober 2012 fand ein gemeinsamer Pressetermin des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und des WNA Magdeburg zu den archäologischen Ausgrabungen im Nahbereich der Schleuse statt.

Mit der Beauftragung am 12. Oktober 2012 schloss das Vergabeverfahren für den Neubau der Schleuse. Auftragnehmer wurde die Arbeitsgemeinschaft GP Ingenieurbau / Bauer Spezialtiefbau / GP Baugesellschaft. Der Schleusenneubau hat am 07. Jan 2013 mit der Baustelleneinrichtung, Rückbauarbeiten und der Baufeldberäumung begonnen.
Am 12. März 2013 wurde der 1. Spatenstich für den Schleusenneubau vollzogen, so dass ab dem 21. Mai 2013 die Schlitzwandarbeiten der Schleusenbaugrube beginnen konnten. Der Unterwasseraushub im Bereich der Schleusenbaugrube wurde am 30.06.2014 fertiggestellt.
Die beiden fertiggestellten Wehranlagen im Bereich Unterer und Oberer Vorhafen wurden am 30.09.2014 provisorisch in Betrieb genommen.
Nach Fertigstellung der Rückverankerung für die Unterwasserbetonsohle mittels Auftriebspfählen im Oktober 2014 wurden bis Mitte November 2014 beide Sohlabschnitte der einen Meter starken Unterwasserbetonsohle hergestellt. Hierzu wurden 8.989 Beton benötigt. Die Baugrube konnte bis zum 9. Februar 2015 gelenzt werden, so dass hier die Vorbereitungen zum Einbau der Drainageschicht beginnen konnten. Zur Einteilung der Fläche wurden ab dem 20.02.2015 die Betonquerrigel errichtet.
Nachfolgend erfolgte der Einbau der Drainageschicht mit der zugehörigen Betonsauberkeitsschicht als Bauebene für die folgenden Bewehrungsarbeiten. Mit der Betonage des ersten Sohlbereiches am 19.03.2015 Begann der Ingenieurbau des eigentlichen Schleusenbauwerkes. 
Nach dem Rückbau der Baugrubenaussteifung ab dem 14.04.2016 konnte der eigentliche Schleusenbau in die Höhe wachsen. Mit der Betonage der letzten Prallwand in der Schleusenkammer am 25.07.2017 fanden die Betonarbeiten im großen Umfang ihren Abschluss.
Nachdem die elektrische und die maschinentechnische Ausstattung komplettiert war, fanden die Funktionsproben statt. Im Rahmen dieser Funktionsproben wurde die erste Schleusung mit dem Arbeitsboot „WELS“ des WSA Brandenburg durchgeführt. Die feierliche Verkehrsfreigabe der Schiffsschleusenanlage mit Übergabe an das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Brandenburg fand am 19.03.2018 statt. Nachfolgend wurden die Verkehrswege in den Vorhäfen komplettiert.